Würfelgespräche

Oft ist es gar nicht so leicht, im betrieblichen Raum Gespräche anzuregen. Eine Methode, die das erleichtert, ist das Würfelgespräch. Die Augenzahl des Würfels entscheidet darüber, welche Frage innerhalb einer Kleingruppe diskutiert wird.  

Sinn und Zweck

  • Interesse und Motivation steigern: Der spielerische Aspekt des Würfelns macht das Lernen interaktiver und lebendiger. 
  • Aktive Beteiligung aller ermöglichen: Durch die Bildung von Kleingruppen wird ein sicherer Raum erschaffen, in dem sich alle – auch stille Personen – gut einbringen können.  
  • Gespräche strukturieren und lenken: Die von der Moderation festgelegten Fragen geben dem Gespräch eine klare Richtung und grenzen das Thema ein.  

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum: 
  • Raum, der die Bildung von Kleingruppen ermöglicht. 
  • Gerne auch Sitzecken oder Stuhlkreise, um die Gesprächssituation aufzulockern.  
  • Jedoch sollten die Diskussionsfragen dabei gut lesbar bleiben und immer sichtbar sein.  
Material: 
  • Flipchart, Tafel oder digitale Hilfsmittel, die die Diskussionsfragen zeigen. 
  • Pro Gruppe ein Würfel.  

Ablauf

1. Vorbereitung und Einführung ins Thema 
  • Die Moderation stellt das Oberthema des Würfelgesprächs vor und formuliert sechs Diskussionsfragen zu dem Thema. 
  • Diese werden gut sichtbar auf ein Flipchart, eine Tafel oder Poster geschrieben.  
  • Die Fragen werden nummeriert, sodass jede Frage eine Seite des Würfels darstellt.  
2. Gruppenbildung und Diskussion 
  • Je nach Gruppengröße wird entschieden, ob gemeinsam oder in Kleingruppen diskutiert wird. Im Idealfall sollen etwa zwei bis sechs Personen an einem Würfelgespräch teilnehmen.  
  • Zum Start des Gesprächs, würfelt eine Person der Gruppe. Die Zahl des Würfels bestimmt dann, welche Frage diskutiert wird.  
  • Durch das Würfeln bekommt die Gesprächsrunde ein spielerisches Element und erleichtert den Gesprächseinstieg. 
  • Kommt die Diskussion einer Frage ins Stocken oder zum Ende, wird erneut gewürfelt und weiter diskutiert. 
3. Reflexion und Zusammenfassung 
  • Bei einer Unterteilung der Teilnehmenden in mehrere Kleingruppen werden nach Ende der Diskussionszeit die wichtigsten Ergebnisse zu jeder Frage zusammengetragen. 
  • Zudem wird reflektiert: Was haben wir gelernt? Gab es neue Sichtweisen? Sind einzelne Fragen unbeantwortet geblieben? 
  • Je nach Bedarf können diese Ergebnisse als Plakat notiert und festgehalten werden.  

Tipps und Stolperfallen

  • Ein Würfel muss nicht immer sechs Seiten haben. Es gibt (im Fachhandel) Würfel mit nahezu jeder denkbaren Seitenzahl.

Anwendungsbeispiele

  • Beispielfragen für ein Würfelgespräch zum Thema Tarifpolitik:  
    • Sollte es Tariferhöhungen nur für Gewerkschaftsmitglieder geben? 
    • Wie viel mehr als ein*e Mitarbeiter*in sollte die Geschäftsführung verdienen? 
    • Wie viel Urlaubstage wären angemessen? 
    • Was hältst du von Betriebsrenten? 
    • Welche Ideen hast du für Tarifaktionen im Betrieb? 
  • Alternativ zu verschieden Fragen, können durch ein Würfelgespräch auch verschiedene Dimensionen in Bezug auf eine Frage zum Ausdruck gebracht werden. 
    • Thema beschreiben 
    • Thema bewerten 
    • Eigene Gefühle zum Thema ausdrücken 
    • Ursachen erforschen 
    • Folgen überlegen 
    • Lösungen/Alternativen finden 

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Aufgaben
Aktivieren
Diskussion starten
Kontext
Betriebserschließung
Vertrauensleute
Tarifverhandlungen
Schwierigkeit
mittel
Gruppengröße
klein
mittel
Kanal
analog
Dauer
Unter 2 Stunden

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.
Ähnlich: Speed Dating
Die Methode „Speed-Dating“ überträgt das Prinzip des schnellen Kennenlernens auf den Arbeitskontext.