Systemisches Konsensieren

Systemisches Konsensieren ist ein Verfahren zur gemeinsamen Entscheidungsfindung. Im Gegensatz zur klassischen Mehrheitsentscheidung wird nicht nach der größten Zustimmung gesucht, sondern nach dem Vorschlag mit dem geringsten Widerstand. So entstehen tragfähige Lösungen, die von möglichst vielen mitgetragen werden, auch wenn nicht alle völlig überzeugt sind. 

Sinn und Zweck

  • Tragfähige Entscheidungen treffen: Die Methode ermöglicht Lösungen, die für alle akzeptabel sind, selbst wenn sie nicht voll zustimmen. Das erhöht die Umsetzungswahrscheinlichkeit und verringert spätere Konflikte. 
  • Widerstände sichtbar machen: Im Mittelpunkt steht nicht die Zustimmung, sondern die Ablehnung. So werden Spannungen, Bedenken und Blockaden transparent und können frühzeitig bearbeitet werden. 
  • Alle Stimmen einbinden:
    Auch stille, kritische oder oft überstimmte Stimmen erhalten Gehör. Das schafft ein ausgewogenes Bild der Gruppenmeinung.

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum: 
  •  Raum mit Möglichkeit für einen Sitzkreis 
 Material: 
  • Stifte 
  • Moderationskarten 
  • Flipchart, Pinnwand oder digitale Tools 
  • Bewertungsbögen zur Vergabe der Widerstandspunkte

Ablauf

1. Vorschläge sammeln
  • Die Moderation führt in das Thema ein und stellt das Problem vor.
  • Anschließend haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, Lösungsvorschläge zu nennen.
  • Alle Vorschläge werden gleichberechtigt behandelt und für alle sichtbar auf einer Tafel (Flipchart, Plakat, Beamer) notiert.
2. Bewertung nach Widerstand
  • Jeder Vorschlag wird nun von allen Teilnehmenden individuell mit sogenannten Widerstandspunkten auf einer Skala von 0 – 10 bewertet.
    • 0 = kein Widerstand, kann vollständig mitgetragen werden
    • 10 = maximaler Widerstand, nicht akzeptabel
  • Die Bewertungen erfolgen möglichst gleichzeitig und unabhängig voneinander.
3. Auswertung
  • Die Widerstandspunkte für jeden Vorschlag werden summiert.
  • Der Lösungsvorschlag mit der geringsten Gesamtzahl an Widerstandspunkten wird ausgewählt, da er in der Gruppe insgesamt den geringsten Widerstand erfährt und folglich von einem Großteil der Teilnehmenden mitgetragen wird.
  • Die Gruppe entscheidet, ob dieser Vorschlag angenommen wird – ggf. kann danach noch weiter modifiziert oder kombiniert werden.

Tipps und Stolperfallen

  • Die Bewertungen sollten anonym gesammelt werden. Das fördert Offenheit, gerade bei Hierarchieunterschieden. 
  • Beim Sammeln der Vorschläge noch nicht diskutieren, um vor Einflussnahme zu schützen. 
  • Behalte im Blick, dass das Ziel nicht der „perfekte“ Vorschlag ist, sondern ein gemeinsam tragbarer Weg. 

 

Links und Dokumente

Einen Überblick zur Methode und einen Blog mit ausgewählten Beispielen gibt es auf dieser Website.

Eine Einführung ins Systemische Konsensieren bietet dieses YouTube-Video.

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Aufgaben
Entscheiden
Kontext
Betriebserschließung
Vertrauensleute
Mitgliederbeteiligung
Tarifverhandlungen
Schwierigkeit
gering
Gruppengröße
klein
mittel
groß
Kanal
analog
digital
Dauer
Tool

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.