Living Library

Die Methode bedient sich des Prinzips der Leihbücherei: Leser*innen entleihen sich ein interessantes Buch, beschäftigen sich mit ihm und bringen es anschließend wieder zurück. Nur, dass im Falle der Living Library die „Bücher“ Menschen sind, die sich zu einem Gespräch mit den Bibliotheksbesucher*innen zur Verfügung stellen. 

Das Format eignet sich für die Kommunikation zwischen Angehörigen spezifischer Personengruppen. Durch das Kennenlernen, den persönlichen Dialog und den Austausch über Lebenssituationen, Arbeit und Erfahrungen werden Hemmschwellen, Wissenslücken und Vorurteile abgebaut.

Sinn und Zweck

  • Dialog statt Debatte: Die Living Library schafft einen Raum für offene, ehrliche und respektvolle Gespräche, ohne eine konkrete Streitfrage thematisieren zu wollen. 
  • Bildung durch Erfahrung: Besucher*innen lernen durch Geschichten von echten Menschen. In einer Living Library kommen oft Menschen bzw. Kolleg*innen zusammen, die sonst nicht miteinander in den Dialog treten würden.
  • Abbau von Vorurteilen: Besucher*innen treten in den direkten Dialog mit Menschen, die von Vorurteilen betroffen sein können. Durch das persönliche Gespräch erhalten sie authentische Einblicke in deren Arbeits- und Lebenswelt, reflektieren eigene Denk- und Handlungsmuster und können bestehende Vorurteile hinterfragen und abbauen. 

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum: 
  • Mehrere kleine Räume oder einzelne „Ecken“ in denen je ein „lebendes Buch“ seinen Raum hat 
 Material: 
  • Gegebenenfalls Materialien zum Veranschaulichung der Arbeit der „lebenden Bücher“

Ablauf

1. Vorbereitende Organisation 
  • Im Vorfeld der Living Library muss entschieden werden, ob es ein bestimmtes Oberthema für die Veranstaltung gibt (z. B. Vorstellung der einzelnen Abteilungen des Unternehmens, …) 
  • Auswahl der Personen, die als „lebende Bücher“ agieren  
  • Vorbereitung der einzelnen Stationen, möglicherweise Ausstattung mit wichtigen Arbeitsmitteln oder anderen Gegenständen, die bei der Arbeit dieser Abteilung wichtig ist. 
2. Informationen und Reservierung 
  • Online im Vorfeld und/oder am Empfang können sich die Besucher*innen über die angebotenen Buchtitel (z.B. „Marketing“, „Personalverwaltung“, „Buchhaltung“, „Produktion“, „Kantine“ inkl. Kurzbeschreibung) informieren. 
  • Die “Bibliothekar*innen” unterstützen die Auswahl und reservieren ein Gespräch. 
3. Dialog
  • Im Lesesaal setzt sich die Person mit dem „lebenden Buch“ für ein 30-minütiges Gespräch an einen Tisch. 
  • Unter Einhaltung der Gesprächsregeln sind auch persönliche und kritische Fragen zulässig. Das „lebende Buch“ kann Gegenfragen stellen und ggf. auch Fragen unbeantwortet lassen. 
  • Je nach Besucherzahl können auch mehrere Besucher gleichzeitig ein „lebendes Buch“ ausleihen. Jedoch sollte eine Gruppengröße von fünf nicht überschritten werden.  
4. Nachbereitung
  • Buchbesprechung: die Gespräche können nachbereitet, reflektiert und diskutiert werden.
  • Die „lebenden Bücher“ werden nach dem Ausleihzeitraum zurückgegeben.

Tipps und Stolperfallen

In einer Living Library kommen oft Menschen zusammen, die sonst nicht miteinander in den Dialog treten würden. Daher ist es wichtig stehts die gängigen Gesprächsregeln zu wahren und bei Missachtung dieser darauf hinzuweisen. 

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Aufgaben
Informieren
Aktivieren
Vernetzen
Kontext
Betriebserschließung
Betriebsrat
Vertrauensleute
Arbeitgeber
Mitgliederbeteiligung
Schwierigkeit
mittel
Gruppengröße
mittel
Kanal
analog
Dauer
Halber Tag
Eintägig

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.
Ähnlich: Q&A Session
Q&A-Sessions werden häufig während beratender Veranstaltungen abgehalten, um den Teilnehmenden das Wissen von Expert*innen, Beamten und anderen Personen zu ermöglichen, die sich mit dem diskutierten Thema auskennen.