Dynamic Facilitation

Dynamic Facilitation ist, ähnlich der Mediation, eine Moderationsmethode zur Bearbeitung komplexer, emotional aufgeladener oder kontroverser Gruppenkonflikte. Sie ermöglicht es Gruppen, kreative Lösungen für Themen zu finden, bei denen herkömmliche Problemlösungsansätze oft scheitern. Dynamic Facilitation ist vor allem dann geeignet, wenn Emotionen hochkochen, gegensätzliche Ansichten überwiegen und eine gemeinsame Problemlösung fast unmöglich scheint.

Sinn und Zweck

  • Konfliktdimensionen verstehen: Redebeiträge der Teilnehmenden werden in vier klar voneinander getrennte Kategorien eingeordnet. Dies schafft Struktur, Übersicht und ermöglicht einen fokussierten Dialog. 
  • Raum für Emotionen: Emotionale Äußerungen erhalten ihren Platz und ihre Berechtigung im Diskurs. Dies fördert Vertrauen und ein tieferes Verständnis zwischen den Beteiligten. 
  • Kreativer Durchbruch statt Kompromiss: Ziel ist nicht die beste rationale Lösung, sondern eine gemeinsame Einsicht oder Idee, die das Potenzial hat, Spannungen zu lösen. 

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum: 
  • Ein Ort, an dem sich alle Beteiligten wohlfühlen (z. B. Seminarraum) 
  • Sitzkreis oder informelle Sitzordnung zur Förderung eines offenen Austauschs 
 Material: 
  • Vier Plakate oder Flipcharts 
  • Marker in verschiedenen Farben 
  • Gegebenenfalls Klebepunkte, Haftnotizen für weitere Anmerkungen oder Priorisierungen 

Ablauf

1. Vorbereitung und Einführung
  • Während der Vorbereitung werden zunächst vier Plakatwände mit den folgenden Überschriften angelegt:
    • Herausforderungen/Fragen
    • Lösungen/Ideen
    • Bedenken/Einwände
    • Informationen/Sichtweisen
  • Dann kommen alle Teilnehmenden im Seminarraum zusammen und die Moderation führt in die Veranstaltung ein. Dazu gibt sie zunächst eine Einführung in das Konfliktthema und stellt den Ablauf der Methode vor.
2. Meinungsbild abfragen und Ideen sammeln
  • Anschließend tragen die Teilnehmenden ihre Meinungen zusammen. Diese werden von der Moderation auf dem jeweiligen Plakat notiert.
    • Unter dem Stichwort Herausforderungen/Fragen“ werden Aussagen gesammelt, die das zu lösende Problem beschreiben. Diese werden als Fragen formuliert: „Wie können wir xy erreichen?“
    • Auf dem Plakat mit dem Titel „Lösungen / Ideen“ werden alle genannten Lösungen geschrieben, unabhängig davon, auf welches der formulierten Probleme und Fragestellungen sie sich beziehen.
    • Bei den „Bedenken / Einwände“-Plakat werden jene Befürchtungen gesammelt, die zu den bereits bestehenden Lösungsvorschlägen formuliert wurden.
  • Wichtig ist dabei die klare Trennung auf zwei unterschiedlichen Plakatwänden: Die Lösung erhält durch die räumliche Trennung keine negative Bewertung; gleichzeitig werden die Bedenken jedoch anerkannt und der emotionalen Komponente Rechnung getragen.
  • Alle weiteren Äußerungen, Fakten, Informationen und Beobachtungen, die von den Teilnehmenden geäußert werden, kommen auf die Liste „Informationen und Sichtweisen“. Es spielt keine Rolle, ob die hier benannten Punkte der Wahrheit entsprechen oder falsch sind.
3. Finden eines Lösungsweges
  • Wenn alle Probleme, Lösungsvorschläge, Bedenken und sonstigen Anmerkungen, die die Teilnehmenden bereits in den Prozess mit hineingetragen haben, benannt und auf den Tafeln visualisiert worden sind, setzt eine gewisse „Leere“ in der Diskussion ein.
  • Es ist nun möglich, sich aus der „Verhaftung der Gedanken“ zu lösen und es entsteht ein offener Raum für etwas Neues. Dann tritt das schöpferische und kreative Potenzial innerhalb der Gruppe zutage.
  • Das Ziel ist nicht, eine alternative Lösung A, B oder C zu finden.
  • In Dynamic Facilitation geht es eher darum, einen gemeinsamen kreativen Durchbruch zu erlangen, der auch die Spannung innerhalb der Gruppe löst und von allen als richtiger Lösungsweg empfunden wird.

Tipps und Stolperfallen

  • Wenn klar ist, dass nur ein begrenzter Zeitrahmen zur Verfügung steht, kann die Methode zwar angewendet werden, es ist jedoch möglich, dass es nicht zu einem kreativen Durchbruch kommt. In diesem Fall muss abschließend auf konventionellem Wege eine Entscheidungsfindung durchgeführt werden.
  • Diese Methode ist weniger für das Finden von sachlichen und emotional nicht belasteten Lösungen geeignet.

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Aufgaben
Entscheiden
Konflikte bearbeiten
Kontext
Betriebsrat
Vertrauensleute
Krisen in Unternehmen
Schwierigkeit
mittel
Gruppengröße
mittel
groß
Kanal
analog
Dauer
Halber Tag

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.
Ähnlich: Das Duell
„Das Duell“ ist eine strukturierte Diskussionsmethode zur Auseinandersetzung mit kontroversen Themen.