Deliberative Polling®

Deliberative Polling ist eine Methode für die Durchführung einer strukturierenden Befragung. Sie zeigt, inwiefern Faktenwissen und Diskussionen zu einem bestimmten Thema Meinungen verändern können. Die Methode trägt auch zur Steigerung der Verständlichkeit und zur Reduzierung der Interessenkonflikte zwischen den verschiedenen Akteur*innen bei. Die Ergebnisse können an Entscheidungsträger*innen weitergeleitet werden, um zu erläutern, welche Forderungen eine informierte Belegschaft an sie stellen würde.

Der Begriff "Deliberative Polling" ist eine eingetragene Marke von James S. Fishkin, der kommerzielle Einsatz unter diesem Namen im Rahmen größerer Projekte kann eine Lizenzierung erfordern. Die reine Methode ist nicht geschützt.

Sinn und Zweck

  • Aufzeigen von Meinungsverschiebungen: Deliberative Polling dient dazu, herauszufinden, wie sich Einschätzungen oder Meinungen von Befragten ändern, je nachdem wie gut sie über ein Thema informiert sind. 
  • Dialogförderung und Perspektivwechsel: Die Informationsveranstaltung gibt den Teilnehmenden die Möglichkeit, das Thema aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und sich auf dieser Grundlage eine Meinung zu bilden. 

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum: 
  • Veranstaltungsort mit ausreichend Platz für die Informationsveranstaltung 
  • Verschiedene kleine Räume für die Befragungen 
 Material: 
  • Digitale oder analoge Mittel, um das Losverfahren durchzuführen. 
  • Befragungsbögen 
  • Je nach Informationsveranstaltung spezifisches Moderations- und Informationsmaterial. 
  • (Digitale) Mittel zum Vergleich der Antworten vor und nach der Informationsveranstaltung.

Ablauf

1. Zufällige Auswahl der Teilnehmer*innen
  • Zunächst erfolgt eine losbasierte Auswahl der Beteiligten anhand bestimmter Kriterien, damit keine Belegschaftsgruppen ausgeschlossen werden.
2. Erste Befragung
  • Nun erfolgt die erste Befragung der Stichprobe, in der Regel einige Wochen vor der Hauptveranstaltung.
  • Dazu werden der Stichprobe Fragen zu einem bestimmten Thema gestellt, auf das sie sich zuvor nicht vorbereiten können.
3. Informationsveranstaltung
  • Dann erfolgt die Einladung der Beteiligten zu einer eintägigen Veranstaltung.
  • Dies kann z. B. ein Barcamp, ein World-Café oder ein anderes Open Space-Format sein.
  • Im Rahmen dieser Veranstaltung erweitern die Teilnehmenden ihr themenspezifisches Wissen und bekommen einen grundlegenden Überblick über das Thema der Befragung.
4. Zweite Befragung
  • Im Anschluss an die Informationsveranstaltung erfolgt eine zweite Befragung.
  • Dabei soll das neu gelernte Fachwissen der Beteiligten abgewogen werden und auf Grundlage des neuen Wissenstandes geantwortet werden.
5. Evaluation
  • Abschließend werden die Ergebnisse der ersten und der zweiten Befragung miteinander verglichen und analysiert, wie sich Meinungen durch die Informationen und Diskussionen verändert haben.

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Aufgaben
Meinungen und Reaktionen
Kontext
Betriebsrat
Vertrauensleute
Schwierigkeit
mittel
Gruppengröße
groß
Kanal
analog
Dauer
Mehrere Tage

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.
Ähnlich: Aktivierende Fragebögen
Mithilfe von aktivierenden Fragebögen werden die Beschäftigten nach ihren Meinungen und Einstellungen gefragt und gleichzeitig dazu angeregt und ermutigt, für ihre Interessen einzutreten und bei der Lösung mitzuwirken. Die Umfrage wird hier also mit einer Botschaft zur Aktivierung verbunden.