Aufstellung

Die Aufstellung ist eine bewegungsorientierte Gruppenmethode, bei der sich Teilnehmende im Raum entlang einer Skala oder in festgelegten Raumzonen positionieren. So werden Einschätzungen, Erfahrungen oder Standpunkte schnell sichtbar. Der Hauptnutzen: Die Gruppe kommt leicht ins Gespräch, weil Menschen ihren Platz finden, vergleichen und anschließend kurz begründen können.

Sinn und Zweck

  • Verteilungen sichtbar machen: Unterschiede, Gemeinsamkeiten und „Cluster“ werden auf einen Blick erkennbar.
  • Gespräch anstoßen: Positionen erzeugen Anschlussfragen („Was bringt dich dorthin?“).
  • Schneller Check-in/Check-out: Stimmungsbild, Zwischenstand oder Feedback lassen sich in kurzer Zeit erfassen.
  • Orientierung schaffen: Hilft, Themen zu klären und Gesprächsbedarf zu erkennen, bevor in Inhalte eingestiegen wird.

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum:
Genug Platz, damit sich alle gleichzeitig bewegen und gut sehen können.

Material:

  • Kreppband für eine lange Linie am Boden (Skala).
  • Optional: Schilder/Marker für Pole oder Zwischenwerte (z. B. „0% / 50% / 100%“).
  • Alternative 1: Zonen/Himmelsrichtungen (Nord/Süd/Ost/West) für Kategorien wie Herkunft, Teamzugehörigkeit etc.
  • Alternative 2: Koordinatenkreuz (2 Achsen) für die Kombination von zwei Kriterien (siehe unten).
  • Optional: Flipchart/Pinnwand zur Sicherung von Kernaussagen.

Ablauf

  1. Aufstellung vorbereiten
    Moderation markiert eine Linie am Boden oder definiert Raumzonen. Pole werden klar benannt (z. B. „0–100% Zustimmung“, „niedrig–hoch“, „trifft nicht zu–trifft zu“).
  2. Frage/Kriterium ansagen
    Eine Aussage, Frage oder ein Kriterium wird formuliert, zu dem sich alle positionieren.
  3. Positionieren lassen
    Alle stellen sich entlang der Skala bzw. in die passende Zone. Kurze Anpassungen sind erlaubt, bis der Platz „passt“.
  4. Kurze Begründungen einsammeln
    Die Moderation sammelt wenige, kurze O-Töne (3–6):
    „Warum stehst du hier?“ – „Was fehlt dir?“ – „Was hat dich überzeugt?“
    Optional: Nachbar*innen kurz austauschen lassen (30–60 Sekunden), dann 1–2 Stimmen ins Plenum.
  5. Erkenntnisse sichern
    2–3 Beobachtungen oder Kernaussagen festhalten (z. B. „mehrheitlich hoch, aber Unsicherheit bei X“).

Beispiele für Kriterien/Fragen:

  • Niedrigschwellig: Anfahrtsweg, Berufserfahrung, Alter (je nach Kontext passend)
  • Stimmung/Energie: „leer – voll“, „gestresst – entspannt“
  • Einschätzung/Wissen: „unsicher – sicher“, „wenig – viel Vorwissen“
  • Zustimmung: „0–100% Zustimmung“ zu einer Aussage oder einem Vorhaben

 

Tipps und Stolperfallen

Alternative: Aufstellung im Koordinatenkreuz

Statt einer Linie wird ein Koordinatenkreuz (zwei Achsen) auf den Boden geklebt. Teilnehmende positionieren sich dann gleichzeitig zu zwei Kriterien. Das erlaubt differenziertere Bilder, z. B. wenn Zustimmung hoch ist, aber Sicherheit niedrig.

Aufbau:

  • Mit Kreppband ein Kreuz kleben: X-Achse (links–rechts) und Y-Achse (unten–oben).
  • Jede Achse erhält klare Pole (z. B. links „niedrig“, rechts „hoch“; unten „unsicher“, oben „sicher“).
  • Optional: Die vier Quadranten beschriften (z. B. „hoch/hoch“, „hoch/niedrig“ etc.).

Ablauf (Kurzform):

  1. Achsen erklären und Pole benennen.
  2. Zwei Kriterien ansagen (je Achse eins).
  3. Alle positionieren sich im Raum (Punkt im Feld statt Platz auf der Linie).
  4. Kurze O-Töne aus verschiedenen Bereichen einsammeln (idealerweise aus mehreren Quadranten).
  5. 2–3 Kernerkenntnisse sichern.

Beispiele für Achsen-Kombinationen:

  • Zustimmung (niedrig–hoch) × Sicherheit (unsicher–sicher)
  • Motivation (niedrig–hoch) × Energielevel (leer–voll)
  • Dringlichkeit (niedrig–hoch) × Machbarkeit (schwierig–leicht)
  • Interesse (niedrig–hoch) × Vorerfahrung (wenig–viel)

Tipps:

  • Nicht zu komplex werden: Zwei Achsen reichen; Kriterien kurz und eindeutig formulieren.
  • Stimmen verteilen: Nicht nur „die Mitte“ abfragen, sondern bewusst aus verschiedenen Quadranten.
  • Ergebnis rahmen: Das Bild ist ein Gesprächsanlass, keine Abstimmung oder Bewertung.

Hinweise:

  • Pole eindeutig machen: Unklare Skalen führen zu Verwirrung.
  • Kurz halten: Die Methode lebt von vielen kurzen Stimmen, nicht von langen Diskussionen.
  • Freiwilligkeit sichern: Niemand muss sich rechtfertigen; „passen“ statt „beweisen“.
  • Gute Fragen stellen: Je konkreter die Frage, desto brauchbarer das Ergebnis.
  • Nicht überinterpretieren: Es ist ein Stimmungs- und Orientierungsbild, keine Abstimmung.

Merkmale:

  • Einsatz: Einstieg, Aktivierung, Reflexion, Feedback, Positionierung
  • Setting: Workshop, Teammeeting, Großgruppe
  • Schwierigkeit: gering
  • Dauer: ca. 10–15 Minuten (Koordinatenkreuz eher 12–20 Minuten je nach Auswertung)

Anwendungsbeispiele

Die Methode ist flexibel einsetzbar als Einstieg, zur Reflexion oder in der Feedbackrunde. Thematisch gibt es kaum Grenzen.

Einloggen, um diese Methode als Favorit zu speichern.

Einloggen, um diese Methode als PDF zu exportieren.

Aufgaben
Icebreaker
Diskussion starten
Kontext
Betriebsrat
Vertrauensleute
Mitgliederbeteiligung
Mitgliederwerbung
Schwierigkeit
gering
Gruppengröße
klein
mittel
groß
Kanal
analog
digital
Dauer
Tool

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.