Konsensforum

Konsensforen sind dialogorientierte Beteiligungsverfahren. Sie eignen sich besonders für komplexe politische oder gesellschaftliche Fragestellungen, bei denen keine einfache Lösung, wohl aber ein breiter Konsens möglich ist. Im Unterschied zur Konsenskonferenz, bei der eine kleine Gruppe von etwa 10–15 Personen beteiligt ist, arbeiten im Konsensforum deutlich mehr Teilnehmende (ca. 80–130 Personen) in moderierten Kleingruppen an gemeinsamen Positionen. Eingesetzt werden Konsensforen häufig in breiten Politikfeldern wie Umwelt, Klima oder nachhaltige Entwicklung, in denen unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel führen können. Ziel ist es, vielfältige Perspektiven sichtbar zu machen, in Bezug zueinander zu setzen und gemeinsame Handlungslinien zu entwickeln. 

Sinn und Zweck

  • Breite Beteiligung ermöglichen: Konsensforen bringen eine heterogene Gruppe zusammen – darunter Betroffene, Fachleute und Interessenvertretungen.  
  • Verständnis und Perspektivwechsel fördern: Die strukturierte Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Standpunkten stärkt das gegenseitige Verständnis. Moderierte Diskussionen in Kleingruppen schaffen Raum für Dialog auf Augenhöhe. 
  • Gemeinsame Empfehlungen entwickeln: Ziel ist nicht eine Mehrheitsentscheidung, sondern die Formulierung konsensorientierter Handlungsvorschläge. Diese fließen in einen Maßnahmenplan ein, der durch ein Implementierungsteam weiterverfolgt wird. 

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum: 
  • Ein großer Hauptraum für die Eröffnung und den Abschluss. 
  • Mehrer kleinere Räume oder ausreichend Platz für parallele Kleingruppenarbeit. 
Material: 
  • Vorbereitete Informationspakete (digital oder gedruckt) 
  • Visualisierungen für Gruppenarbeit (z.B. Flipchart, Moderationskarten) 
  • Materialien zu Priorisierung und Entscheidungsfindung (z.B. Punktekleber, digitale Tools) 
  • Dokumentationstools (z.B. Protokolle, Whiteboards) 

Ablauf

1. Informationspaket
  • Einige Tage bzw. Wochen vor der Veranstaltung erhalten die Teilnehmenden ein Informationspaket mit Hintergrundmaterialien, relevanten Problemstellungen sowie verschiedenen Perspektiven und Argumenten.
  • Die Organisatoren müssen sicherstellen, dass das Briefing eine genaue und ausgewogene Darstellung des Problems mit unterschiedlichen Positionen enthält
  • Optional können die Teilnehmenden im Vorfeld Fragen an das Podium formulieren.
2. Gruppenbildung
  • Im Forum werden die Teilnehmenden in moderierte Kleingruppen (8-10 Personen) aufgeteilt.
  • Vorab wird ein Sitzplan erstellt, der eine heterogene Verteilung der Meinungen sicherstellt.
3. Austausch & Diskussion
  • Jede Gruppe wird von einer Koordination begleitet, deren Aufgabe es ist, Gespräche zu strukturieren und bei Bedarf zu klären.
  • Nach einer Vorstellungsrunde beginnt die inhaltliche Diskussion: Argumente werden ausgetauscht, Fragen geklärt, zentrale Probleme identifiziert und erste Lösungsansätze entwickelt.
4. Konsensentwicklung
  • In der Gruppe erarbeiten die Teilnehmenden verschiedene Maßnahmen und Empfehlungen, um die wichtigsten Probleme zu lösen. Die Methode(n), mit der Gemeinsamkeiten erreicht und die Optionen priorisiert werden, können von Forum zu Forum variieren.
  • Verschiedene Methoden (z. B. Konsenskarten, Mehrpunktbewertungen) unterstützen die Einigung.
  • Ergebnisse werden im Plenum präsentiert, ggf. angepasst und gebündelt.
5. Implementierungsteam wählen
  • Zum Abschluss wählen die Teilnehmenden ein Team, das die Ergebnisse weiterführt und einen Maßnahmenplan entwickelt.
  • Bei komplexen Themen können Subteams gebildet werden, die sich spezifischen Bereichen widmen.
6. Nachbereitung
  • Eine stabile Kommunikationsstruktur sichert den weiteren Austausch mit den Teilnehmenden. Updates zur Umsetzung stärken Vertrauen und Transparenz.
  • Bei Bedarf kann das Forum erneut einberufen werden, um Fortschritte zu reflektieren und ggf. nachzusteuern.

Tipps und Stolperfallen

  • Achte auf echte Vielfalt in der Teilnehmenden Auswahl – nicht nur Expert*innen einladen.  
  • Dokumentiere Zwischenergebnisse sichtbar – das fördert Verbindlichkeit.  
  • Unklare Folgeprozesse (z.B. keine Implementierungsperspektive) können die Motivation und Wirkung mindern. Sorge daher für ein klares Erwartungsmanagement.

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Aufgaben
Längerfristig zusammenarbeiten
Konflikte bearbeiten
Kontext
Betriebsrat
Vertrauensleute
Mitgliederbeteiligung
Krisen in Unternehmen
Schwierigkeit
hoch
Gruppengröße
groß
Kanal
analog
Dauer
Mehrere Tage

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.