Schichtwechsel-Diskussion

Dieses Format hilft dabei, in Betrieben mit Mehrschicht-System einen über mehrere Tage dauernden Prozess der Auseinandersetzung mit einem betrieblichen Thema anzustoßen – in Form von Nachrichten, die sich die verschiedenen Schichten gegenseitig hinterlassen.

Sinn und Zweck

  • Klare Kommunikation: Mitarbeitenden, die womöglich nie zusammenarbeiten, wird eine Möglichkeit geschaffen, miteinander in Austausch zu treten und sich über neue Ideen oder Probleme zu informieren.
  • Einbindung verschiedener Perspektiven: Durch die Möglichkeit der Anonymität werden zurückhaltende Mitarbeitende in Gespräche eingebunden. Zudem finden alle Meinungen durch die Dokumentation Gehör.
  • Dokumentation: Die offene und schriftliche Kommunikation führt dazu, dass alle Anliegen und Argumente wahrgenommen werden und so die Motivation der Mitarbeitenden steigt, sich in die Gestaltung des Betriebs einzubringen.

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum:
  • Ein zentraler, von allen Mitarbeitenden regelmäßig besuchter Ort im Betrieb (z.B. Pausenraum, Küche) ist perfekt, um einen fließenden Austausch zu ermöglichen
 Material:
  • „Wand des Austausches“: Whiteboard oder großes Papier, das als Kommunikationsmittel zwischen den Mitarbeitenden der verschiedenen Schichten dient

Ablauf

1. Bestimmung Austauschort
  •  An einem gut sichtbaren Platz im Betrieb – zum Beispiel auf dem Weg zur Kantine oder beim Eingang – wird eine „Austauschwand“ aufgebaut. Das kann ein großes Blatt Papier, ein Whiteboard oder Ähnliches sein. Wichtig ist, dass alle Schichten dort vorbeikommen.
2. Anstoßschreiben
  • Der Austausch beginnt mit einem kurzen, handgeschriebenen Brief – zum Beispiel: „An die Kolleg*innen der Spätschicht“.
  • Dieser Brief kann Fragen stellen oder Meinungen zu einem aktuellen Thema enthalten und wird zum Beispiel von „einigen Kolleg*innen der Frühschicht“ unterschrieben. Am Ende steht eine Einladung bzw. eine Aufforderung, ebenfalls etwas an die Wand zu schreiben und den Brief zu beantworten.
3. Weiterführen des Austausches
  • In den nächsten Tagen können sich weitere Kolleg*innen mit eigenen Briefen beteiligen. So entsteht ein schriftliches Gespräch über mehrere Schichten hinweg.
  • Weil alles anonym und schriftlich ist, können sich auch diejenigen einbringen, die sich in mündlichen Diskussionen eher zurückhalten.
4. Auswertung und Nachbereitung
  • Am Ende werden die Beiträge gesammelt und ausgewertet. Daraus lassen sich Probleme, Bedürfnisse oder Ideen ableiten – und im besten Fall entstehen konkrete Lösungen oder neue Maßnahmen.

Tipps und Stolperfallen

  • Statt eines einzelnen Antwort-Briefs können auch viele kurze Gedanken oder Kommentare von verschiedenen Mitarbeitenden nebeneinander auf der Wand stehen. Diese können dann von der anderen Schicht kommentiert werden. Dadurch entstehen manchmal mehrere Gesprächsthemen gleichzeitig – das ist spannend, kann aber auch etwas unübersichtlich wirken.
  • Um mehr Struktur hineinzubringen, könnte zum Beispiel eine bekannte Vertrauensperson den ersten Brief als Einstieg nutzen, um während der Schicht eine kurze Diskussion anzuregen. Am Ende könnte die Gruppe dann gemeinsam eine Antwort verfassen. So bleibt der Austausch geordnet.
  • Insgesamt eignet sich die Methode besonders gut am Anfang eines größeren Beteiligungsprozesses. Sie hilft, erste Gedanken zu sammeln und Kolleg*innen zum Mitmachen zu bewegen.
  • Wenn sich die „Wand des Austauschs“ im Alltag etabliert hat und viele regelmäßig vorbeischauen, kann sie auch gut genutzt werden, um auf weitere Beteiligungsmöglichkeiten hinzuweisen – zum Beispiel auf ein gemeinsames Treffen oder eine Info-Veranstaltung.

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Aufgaben
Aktivieren
Diskussion starten
Meinungen und Reaktionen
Kontext
Betriebserschließung
Vertrauensleute
Tarifverhandlungen
Krisen in Unternehmen
Schwierigkeit
mittel
Gruppengröße
mittel
groß
Kanal
analog
Dauer
Mehrere Tage

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.
Ähnlich: Das Rote Sofa
Das Rote Sofa bietet Beschäftigten die Möglichkeit, sich frei zu Themen ihrer Lebenswelt zu äußern. So finden wichtige Themen Eingang in die gewerkschaftliche Arbeit.