Seestern

Die Seestern-Methode ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Instrument zur strukturierten Reflexion über betriebliche Mitbestimmung und Betriebsratsarbeit. Sie ermöglicht es den Beschäftigten, aktiv Verbesserungspotenziale zu identifizieren und gemeinsam konkrete Maßnahmen zur Steigerung der Wahlbeteiligung abzuleiten. Durch ihre visuelle Darstellung und klare Struktur bietet die Methode eine ideale Grundlage für Diskussionen und Entscheidungsfindungen. Besonders geeignet ist sie für partizipative Prozesse, in denen die Meinungen und Ideen der Beschäftigten aktiv einbezogen werden sollen. Diese Methode wird im Rahmen von Mitarbeitenden-Workshops des Betriebsrats eingesetzt, um einen offenen Austausch zu fördern und gezielt Verbesserungen in der Betriebsratsarbeit abzuleiten. Sie schafft einen Raum, in dem die Beschäftigten ihre Perspektiven und Erwartungen direkt einbringen können und ihre Stimme Gehör findet.

Sinn und Zweck

  • Die Methode soll die Beschäftigten direkt in den Verbesserungsprozess einbinden und ihre Ideen zur Stärkung der Betriebsratsarbeit sichtbar machen.
  • Durch die fünf definierten Kategorien des Seesterns werden verschiedene Blickwinkel auf betriebliche Prozesse ermöglicht.
  • Es werden die priorisierten Themen aus der Befragung aus Modul 1 bearbeitet und Umsetzbare Maßnahmen festgelegt.
  • Alle gesammelten Ideen sind sichtbar und nachvollziehbar, wodurch Vertrauen in den Beteiligungsprozess gestärkt wird.

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

  • Raum:
    • Ein Raum, in dem Gruppenarbeiten möglich sind. Für digitale Workshops geht das auch mit einem Online-Whiteboard (z. B. Miro).
  • Material:
    • Ein Flipchart oder ein großes Papier für den Seestern
    • Stifte, Marker, Moderationskarten oder digitale Tools
    • Klebepunkte für die Priorisierung (oder eine digitale Abstimmung)

Ablauf

1. Vorbereitung des Seesterns:
  • Eine Seestern-Grafik wird auf ein Flipchart oder digitales Whiteboard gezeichnet.
  • Die priorisierte Fragestellung wird erläutert. Beispielfragen zur Einführung:
    • „Was wünschst du dir vom Betriebsrat, damit dein Arbeitsalltag besser wird?“
    • „Wie können wir die Betriebsratswahl für alle spannend und einfach gestalten?“
    • „Welche Aktionen oder Formate machen Mitbestimmung im Betrieb erlebbar?“
  • Die fünf Kategorien werden beschriftet:
  • Beginnen: Was sollten wir neu machen?
  • Mehr: Was läuft schon gut und sollte mehr Raum bekommen?
  • Weniger: Was funktioniert nicht so gut und sollte weniger werden?
  • Aufhören: Was sollten wir lieber ganz lassen?
  • Weitermachen: Was läuft super und sollte genau so bleiben?
2. Ideensammlung:
  • Alle Teilnehmenden schreiben gleichzeitig ihre Ideen auf Karten und Kleben sie in die entsprechenden Seesternfelder.
  • Vorschläge werden auf Karten notiert oder digital eingetragen.
3. Clusterbildung und Priorisierung:
  • Fasse ähnliche Vorschläge zusammen (z. B. „Mehr direkte Kommunikation“).
  • Dann darf jede:r Klebepunkte auf die Ideen verteilen, die sie/ihn am meisten überzeugen. Jede:r bekommt z. B. 3 Punkte zum Vergeben.
  • Am Ende habt ihr eine Liste mit den Top 3–4 Maßnahmen, auf die ihr euch fokussiert. Ähnliche Vorschläge werden zusammengefasst.
4. Ableitung konkreter Maßnahmen:
  • Die erarbeiteten Punkte können in die aktive BR-Arbeit einfließen
  • Priorisierte Punkte fließen in die Wahlkampagne ein.

Tipps und Stolperfallen

Diese Methode funktioniert auch digital wunderbar z. B. auf einem Miro-Board.

Einloggen, um diese Methode als Favorit zu speichern.

Einloggen, um diese Methode als PDF zu exportieren.

Aufgaben
Aktivieren
Diskussion starten
Meinungen und Reaktionen
Analysieren
Planen und entwickeln
Entscheiden
Kontext
Betriebserschließung
Betriebsrat
Vertrauensleute
Arbeitgeber
Mitgliederbeteiligung
Schwierigkeit
gering
Gruppengröße
klein
mittel
Kanal
analog
Dauer
Tool
Unter 2 Stunden

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.
Ähnlich: Zielscheibe
Die Zielscheibe ist ein einfach einzusetzendes Tool, mit dem Gruppen jeder Größe gemeinsam Priorisierungen von Vorhaben oder Forderungen vornehmen können.