Real Time Strategic Change

Die Methode Real Time Strategic Change (RTSC) wird vor allem im Kontext partizipativer Organisationsentwicklung eingesetzt. Ziel ist es, gemeinsam mit allen Beteiligten strategische Ziele zu definieren und konkrete Wege zu deren Umsetzung zu erarbeiten. Besonders geeignet ist die Methode, wenn neue Ideen oder Strategien im Unternehmen entwickelt werden sollen, die offen für Feedback sind und bei deren Umsetzung die Mitarbeitenden aktiv mitwirken sollen. 

Der Grundgedanke dabei: Je klarer die Notwendigkeit zur Veränderung, die gemeinsame Vision und die ersten Umsetzungsschritte sind, desto größer ist die Veränderungsenergie innerhalb der Organisation. 

RTSC wurde von Paul Tolchinsky und Kathleen Dannemiller entwickelt und eignet sich für Gruppen mit bis zu 1.000 Teilnehmenden. Die Methode legt besonderen Wert auf Transparenz, Dialog und kollektives Engagement – entscheidende Faktoren für nachhaltigen Wandel in Organisationen. 

Sinn und Zweck

  • „Das ganze System in einem Raum“: Möglichst alle Beteiligten – Mitarbeitende, Führungskräfte und weitere Stakeholder – werden zeitgleich zusammengeführt. Ziel ist es, ein gemeinsames Verständnis der aktuellen Situation sowie eine geteilte Vision für die Zukunft zu entwickeln. So können Veränderungsprozesse gemeinschaftlich angestoßen und umgesetzt werden.
  • Beteiligung und Engagement fördern: Durch die aktive Einbindung aller Beteiligten entsteht Identifikation mit dem Veränderungsprozess. Das erhöht sowohl die Akzeptanz geplanter Maßnahmen als auch die Motivation zur Mitgestaltung.  
  • Systemisches Denken fördern: RTSC schafft Raum für den Blick aufs Ganze. Wechselwirkungen, Abhängigkeiten und Dynamiken innerhalb der Organisation werden sichtbar gemacht und können gemeinsam reflektiert und neu bewertet werden. 

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum:  
  • Großer (Tagungs-)Raum, der Platz für alle Beteiligten bietet 
  • Weitere kleine Räume, in denen die Arbeitsgruppen zusammenkommen können. 
  • Alternativ können auch Stuhlkreise gebildet werden. Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass durch zu viele kleine, nebeneinander arbeitende Gruppen in einem Raum, die Konzentration der einzelnen Mitarbeitenden beeinträchtigt werden kann. 
 Material: 
  • Papier und Stift oder andere Art der Dokumentation der persönlichen Ideen. 
  • Whiteboard, Pinnwand oder ähnliches zur Zusammenführung der Ideen innerhalb der Gruppen und anschließend auch im Plenum. 

Ablauf

Anders als viele andere Beteiligungsmethoden orientiert sich RTSC an der hierarchischen Struktur eines Unternehmens. Die Führungsspitze legt dabei Thema, Ziel, Ablauf und Handlungsspielraum fest und entscheidet im Endeffekt allein über die erarbeiteten Vorschläge. 

1. Vorstellung der Problemlage 
  • Zu Beginn der Veranstaltung verdeutlicht die Führung anhand umfangreicher Informationen die Problemlage. Ziele der strategischen Entscheidungen und Programme werden vorgestellt und zur Diskussion gebracht. 
  • Auf Basis der Informationen über die Problemlage arbeiten die Teilnehmenden in den folgenden Tagen an Zielen und Lösungen – mit einem kontinuierlichen Feedback durch die Führungsspitze. 
2. Erarbeitung möglicher Lösungen in Kleingruppen 
  • Während der Veranstaltung bilden die Teilnehmenden mehrere Kleingruppen. Jede Arbeitsgruppe befasst sich mit dem gleichen Thema. 
3. Zusammenführung der Ergebnisse im Plenum 
  • Die Beiträge der Teilnehmenden werden immer wieder in der gesamten Gruppe zusammengetragen. 
  • Die Führungsspitze gibt kontinuierliches Feedback, das die Arbeit an Zielen und Lösungen unterstützt. 
  • Zudem wird zwischendurch über einzelne Vorschläge abgestimmt, sodass diese verstärkt bearbeitet oder verworfen werden können. 
 4. Ergebnisse zusammentragen und Konsens finden 
  • Am Ende der RTSC-Konferenz soll ein Konsens zu den zu treffenden Maßnahmen entstehen. 
  • Durch die Einbeziehung aller Betroffenen identifizieren sich die Mitarbeitenden besser mit den entwickelten Visionen und tragen den Veränderungsprozess mit.  

Tipps und Stolperfallen

  • Diese Methode ergibt wenig Sinn, wenn die Organisation nicht bereit ist, ehrliches Feedback zu geben oder anzunehmen und/oder der Führungskreis nicht unmittelbar auf die Rückmeldungen der Teilnehmenden reagieren kann. 
  • Obwohl die Hierarchien eindeutig feststehen und die Entscheidungen letztlich bei der Führungsspitze liegen, ist die Methode nur dann sinnvoll, wenn es ausreichend Handlungsspielraum für die Beschäftigten gibt. Es darf nicht nur zu einer Scheinbeteiligung kommen, sonst schlägt Motivation schnell ist Widerwillen um.  

Links und Dokumente

https://organisationsberatung.net/real-time-strategic-change-rtsc-konferenz-methode/

Einloggen, um diese Methode als Favorit zu speichern.

Einloggen, um diese Methode als PDF zu exportieren.

Aufgaben
Analysieren
Planen und entwickeln
Längerfristig zusammenarbeiten
Kontext
Arbeitgeber
Mitgliederbeteiligung
Krisen in Unternehmen
Schwierigkeit
hoch
Gruppengröße
groß
Kanal
analog
Dauer
Mehrere Tage

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.
Ähnlich: Szenario-Workshop
Der Szenario-Workshop ist ein Beteiligungsformat, bei dem Teilnehmende gemeinsam alternative Zukunftsbilder entwickeln.