Aktivierende Befragung

Die Aktivierende Befragung ermittelt die Meinungen und Sichtweisen von Beschäftigten im persönlichen Gespräch. Dabei werden die Teilnehmenden nicht nur befragt, sondern auch dazu angeregt, sich für ihre Interessen und Bedürfnisse einzusetzen. Daher dient die Aktivierende Befragung auch als Vorbereitung für anschließende Partizipationsprozesse.

Sinn und Zweck

  • Sammlung von Informationen: Mithilfe einer Aktivierenden Befragung können verschiedene Interessenlagen, Probleme und mögliche Lösungen im Betrieb identifiziert werden.
  • Artikulation von Interessen: Beschäftigte können mithilfe der Aktivierenden Befragung darin unterstützt werden, ihre Interessen, Bedürfnisse und Sichtweisen zu artikulieren.
  • Aktivierung: Darüber hinaus werden sie dazu angeregt, Lösungsvorschläge zu benennen und diese gemeinsam mit anderen voranzutreiben. In diesem Sinne kann die Aktivierende Befragung als Startschuss für weitere Beteiligungsprozesse dienen.

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum:
  • Da die Aktivierende Befragung meist als aufsuchende Methode konzipiert wird, können die Teilnehmenden auch direkt an ihrem Arbeitsplatz o.ä. aufgesucht werden. Es braucht keinen festen Raum.
Material
  • Fragenleitfaden und Möglichkeit, Antworten zu erfassen (schriftlich oder als Audioaufzeichnung)

Ablauf

Die Befragungen werden möglichst persönlich mit den Betroffenen geführt.

1. Vorbereitung
  • Vorab muss geklärt werden, welches konkrete Ziel die Befragung verfolgt, wer befragt werden soll und in welchem Umfang aufkommende Themen bearbeitet werden sollen. Eine Aktivierende Befragung weckt bei den Teilnehmenden immer auch Erwartungen und es sollte vorab reflektiert werden, wo konkret mögliche Veränderungspotenziale liegen.
  • Vorbereitung der Fragen: Im Rahmen einer aktivierenden Befragung gibt es keinen festen Fragenbogen. Stattdessen dient ein Leitfaden mit offenen Fragen zur Orientierung im Gespräch.
2. Gespräch
  • Mithilfe von offenen Fragen sollen die Interviewten dazu angeregt werden, ihre eigenen Sichtweisen zu schildern und die für sie wichtigen Themen herauszustellen.
  • Außerdem sollen die Befragten dazu angeregt werden, Lösungsvorschläge zu benennen. In diesem Zusammenhang können sie dazu motiviert werden, sich an der Umsetzung der Lösungsvorschläge zu beteiligen.
3. Auswertung und Präsentation
  • Die Befragung wird ausgewertet und die Ergebnisse werden auf einer Veranstaltung (ggf. auch im Rahmen einer Betriebsversammlung) präsentiert. Hier können sich Beteiligte austauschen und gegebenenfalls Interessens- und Arbeitsgruppen für die Umsetzung bilden.
  • Die Aktvierende Befragung ist somit immer auch Startschuss für weitere Veränderungs- und Partizipationsprozesse.

Tipps und Stolperfallen

Im Gegensatz zu Aktivierenden Fragebögen soll die Aktivierende Befragung nicht dazu dienen, vorab festgelegte Fragen zu beantworten. Stattdessen gestalten die Befragten die Struktur des Gespräches und legen die zentralen Schwerpunkte selbst fest – je nach den von ihnen geäußerten Interessen und Problemen. Diese Offenheit muss im Gespräch sichergestellt werden.

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Aufgaben
Aktivieren
Meinungen und Reaktionen
Kontext
Betriebserschließung
Betriebsrat
Vertrauensleute
Arbeitgeber
Mitgliederwerbung
Krisen in Unternehmen
Schwierigkeit
mittel
Gruppengröße
groß
Kanal
analog
Dauer
Mehrere Tage

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.
Ähnlich: Deliberative Polling®
Deliberative Polling ist eine Methode für die Durchführung einer strukturierenden Befragung. Sie zeigt, inwiefern Faktenwissen und Diskussionen zu einem bestimmten Thema Meinungen verändern können.