6-3-5 Methode

Die 6-3-5 Methode ist eine strukturierte Kreativitätstechnik, die 1968 von Prof. Bernd Rohrbach entwickelt wurde. Sie eignet sich besonders gut zur Ideenfindung in der frühen Phase von Beteiligungsprozessen. Die Methode bringt in kurzer Zeit viele Lösungsvorschläge hervor – und zwar unabhängig von der Lautstärke oder Dominanz einzelner Personen. So wird allen Beteiligten ein gleichberechtigter Einstieg in den Dialog ermöglicht. 

 „6-3-5“ steht für: 6 Personen, 3 Ideen pro Runde, 5 Weitergaben. In mehreren Durchläufen entwickeln die Teilnehmenden neue oder weitergedachte Ideen aufeinander aufbauend – unabhängig von Sprechanteilen oder Gruppenhierarchien. So wird ein gleichberechtigter Zugang zum kreativen Denken ermöglicht. 

Sinn und Zweck

  • Ideenvielfalt generieren: In kurzer Zeit werden zahlreiche und vielfältige Lösungsvorschläge entwickelt. Die Methode verbindet spontane Einfälle mit strukturierter Weiterentwicklung. 
  • Gleichberechtigte Beteiligung fördern: Alle Teilnehmenden arbeiten gleichzeitig und schriftlich – das reduziert Dominanzverhalten und ermöglicht Beteiligung auch für ruhigere Personen. 
  • Denkanstöße weiterentwickeln: Durch das stufenweise Weitergeben und Ergänzen entstehen kreative Synergien; vorhandene Ideen werden kombiniert, verändert oder vertieft. 

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum: 
  • Ein Raum mit ausreichend Tischfläche für sechs Personen pro Gruppe 
  • Möglichkeit zur Gruppenteilung bei mehr als sechs Personen 
  • Ruhige Atmosphäre ohne Ablenkung 
 Material: 
  • 6 identische Arbeitsblätter pro Gruppe mit: 
  • Überschrift/Fragestellung 
  • Sechs Zeilen, je drei Spalten für Ideen 
  • Stifte für alle Teilnehmenden 
  • Stoppuhr  

Ablauf

1. Einführung
  • Die Moderation erklärt Ziel, Ablauf und Regeln der Methode.
  • Jede Gruppe sollte aus sechs Personen bestehen. Bei mehr Personen werden diese in gleichgroße Gruppen aufgeteilt und setzen sich an separate Tische.
  • Jede Person erhält ein vorbereitetes Arbeitsblatt mit der Fragestellung, sowie den Feldern für die Ideen. Das Arbeitsblatt besteht aus sechs Zeilen zu je drei Spalten.
2. Ideenentwicklung
  • Alle Teilnehmenden schreiben drei Ideen in die erste Zeile.
  • Danach werden die Blätter im Uhrzeigersinn weitergegeben.
3. Weiterentwicklung
  • Jede Person liest die vorhandenen Ideen und soll versuchen, in der nächsten Zeile die bereits genannten Ideen aufzugreifen, zu ergänzen oder weiterzuentwickeln.
  • Dies wird so oft wiederholt (bei sechs Personen fünfmal) bis alle Personen jeden Zettel einmal hatten und alle Zeilen gefüllt sind.
4. Auswertung
  • Gemeinsam oder in der Kleigruppe werden die Ideen diskutiert und Fragen geklärt.
  • Dann können die verschiedenen Ansätze sortiert und priorisiert werden, wobei besonders starke Ansätze anschließend in andere Formate überführt und dort weiterentwickelt werden können.

Tipps und Stolperfallen

  • Begrenze die Zeit bewusst – zu viel Raum fördert Grübelei, nicht Kreativität.  
  • Ermutige die Teilnehmenden zu Weiterentwicklung, sie sollte keine Angst vor „Verschlimmbesserung“ haben.  
  • Variiere bei Bedarf die Gruppengröße (auch 7-3-6 oder 5-3-4 möglich). 
  • Halte die Fragestellung offen und nicht zu kompliziert, um kreative Ideen nicht zu hemmen.  

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Aufgaben
Diskussion starten
Meinungen und Reaktionen
Planen und entwickeln
Kontext
Betriebsrat
Vertrauensleute
Arbeitgeber
Mitgliederbeteiligung
Krisen in Unternehmen
Schwierigkeit
gering
Gruppengröße
mittel
Kanal
analog
Dauer
Tool

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.
Ähnlich: Expo-Diskurs
Der Expo-Diskurs ist für mittlere bis große Gruppen geeignet. Er beginnt im kleinen Kreis und holt dann Runde für Runde mehr Menschen in die Debatte.
Ähnlich: Drei Eigenschaften
Ziel der Methode „Drei Eigenschaften“ ist es, niedrigschwellig Meinungen einzuholen und dabei auch die stilleren Personen zu aktivieren – ohne Bewertung ihrer Äußerungen.