Das Rote Sofa

Diese Methode ist geeignet, um in lockerer, aber fokussierter Atmosphäre betriebliche Themen und Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten und dient damit auch der Vorbereitung zur Betriebsratswahl. Das symbolische rote Sofa schafft einen einladenden Raum, in dem alle Mitarbeitenden ermutigt werden, ihre Sichtweisen offen zu teilen.

Sinn und Zweck

  • Partizipation fördern: Durch die Nutzung eines auffälligen Symbols (das rote Sofa) werden Hemmschwellen abgebaut und die Mitarbeitenden werden motiviert, sich aktiv an Diskussionen zu beteiligen.
  • Mitbestimmung stärken: Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für eine partizipative Betriebsratsarbeit, die auf den tatsächlichen Bedürfnissen der Belegschaft basiert.
  • Vertrauensaufbau: Der strukturierte, aber lockere Dialog stärkt das gegenseitige Vertrauen und fördert eine offene Kommunikationskultur im Unternehmen.
  • Nachhaltige Beteiligung: Die sichtbare Dokumentation der Gespräche und die anschließende öffentliche Aufbereitung motivieren weitere Mitarbeitende, sich in Zukunft aktiv an der Gestaltung des Betriebs einzubringen.

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

  • Raum: Ein zentral gelegener, gut frequentierter Bereich im Betrieb (z. B. in oder vor der Kantine) ist ideal, um möglichst viele Mitarbeitende zu erreichen.
  • Material:
    • rotes Sofa, das als Blickfang und Symbol für den offenen Dialog dient.
    • Alternative: Möglich ist auch ein anderes auffälliges Möbelstück (z.B.  ein farbiger Sessel, eine dekorierte Bank) oder ein neutrales Sofa wird mit roten Kissen, Decken oder anderen Akzenten dekoriert.
    • Aufzeichnungsmöglichkeiten: Handschriftlich oder per Video / Audioaufnahmegeräte bzw. Kameras, um die Gespräche zu dokumentieren.
    • Moderationsmaterial: Interviewleitfaden mit Fragen zu relevanten betrieblichen Themen, Stifte und Notizblöcke sowie eventuell ein Whiteboard oder Flipchart für spontane Notizen.

Ablauf

1. Vorbereitung
  • Vorbereitung der Fragen: Erstelle einen Leitfaden, der Fragen zu aktuellen betrieblichen Themen (z. B. Herausforderungen, Arbeitsbedingungen, Tarifverhandlungen, Gesundheitsschutz) enthält.
2. Aufstellung des Gesprächsortes:
  • Platzierung: Stelle das rote Sofa (oder die alternative Lösung) an einem zentralen Ort auf, an dem es viele Blickkontakte gibt.
  • Atmosphäre schaffen: Sorge dafür, dass der Bereich sauber und ansprechend wirkt – eine einladende Umgebung ermutigt die Mitarbeitenden, ins Gespräch zu kommen.
3. Einführung in die Methode:
  • Begrüße jeden Teilnehmenden freundlich und erkläre den Zweck des Formats: Es geht darum, betriebliche Themen aus neuen Perspektiven zu betrachten und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln.
  • Erläutere, dass es keine „richtigen“ oder „falschen“ Antworten gibt – jede Meinung zählt und bringt uns weiter.
4. Durchführung der moderierten Gespräche:
  • Stelle die vorbereiteten Fragen und ermutige die Teilnehmenden, ihre persönlichen Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge zu teilen.
  • Achte darauf, aktiv zuzuhören, gegebenenfalls nachzufragen und dabei immer eine offene, respektvolle Atmosphäre zu bewahren.
5. Dokumentation:
  • Aufzeichnung: Nimm die Gespräche per Video, Audio oder durch Fotos auf.
  • Zeigt, dass die Beiträge wertgeschätzt werden und bedacht werden.
6. Nachbereitung:
  • Sammle die Ergebnisse der Gespräche und diskutiere sie in einem Nachbereitungsmeeting oder in einem schriftlichen Bericht.
  • Leite daraus konkrete Maßnahmen ab, die als Grundlage für die Betriebsratsarbeit oder den Wahlkampf genutzt werden können.
  • Eine erstellte Dokumentation kann z. B. in Form von Plakaten, Newslettern oder während Betriebsversammlungen allen Mitarbeitenden zugänglich gemacht werden.

Tipps und Stolperfallen

  • Eine freundliche und motivierende Einladung sollte die Beschäftigten rechtzeitig informieren, wann und wo das „rote Sofa“ bereitsteht.
  • Je nachdem wie euer Betrieb baulich strukturiert ist, z.B. es gibt keinen zentralen Ort für das rote Sofa. Dann habt ihr die Möglichkeit diese Aktivität direkt vor in den Betriebsgebäuden zu gestalten.

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Aufgaben
Aktivieren
Diskussion starten
Meinungen und Reaktionen
Kontext
Betriebserschließung
Betriebsrat
Vertrauensleute
Mitgliederwerbung
Tarifverhandlungen
Schwierigkeit
mittel
Gruppengröße
klein
Kanal
analog
Dauer
Halber Tag
Eintägig
Mehrere Tage

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.
Ähnlich: Schichtwechsel-Diskussion
Dieses Formt hilft dabei, in Betrieben mit Mehrschicht-System einen über mehrere Tage dauernden Prozess der Auseinandersetzung mit einem betrieblichen Thema anzustoßen.