Denkfabrik

Die Denkfabrik ist ein Beteiligungsformat, das in Form einer beratenden Versammlung Beschäftigte dazu einlädt, sich aktiv mit strategisch wichtigen Themen auseinanderzusetzen. Am Ende steht ein gemeinsam entwickeltes Arbeitspapier, das der Entscheidungsfindung in Organisationen oder Unternehmen dient.

Die Methode eignet sich besonders für diskursive und komplexe Themen wie die digitale Transformation, den Klimawandel oder soziale Fragen im Betrieb. Dabei können auch sehr große Gruppen eingebunden werden – bis zu mehreren Tausend Teilnehmenden – oft über eine Kombination aus analogen und digitalen Beteiligungselementen. 

Sinn und Zweck

  • Beteiligung einer Vielzahl an Beschäftigten: Die Denkfabrik ist eine Methode, mit der viele Personen in den Denkprozess einbezogen werden können – unabhängig von Funktion oder Hierarchie. 
  • Akzeptanz fördern: Entscheidungen basieren auf transparenten und gemeinsam entwickelten Vorschlägen, was die Zustimmung zu Entscheidungen erhöhen kann. 
  • Aktive Teilhabe stärken: Die Mitarbeitenden erleben direkt, dass ihre Ideen zählen und Einfluss nehmen können. 
  • Strukturiertes Arbeitsergebnis: Am Ende steht ein konkretes, nachvollziehbares Papier mit Handlungsempfehlungen für Entscheidungstragende. 

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum: 

  • Großer Plenumsraum für Eröffnung und Abschluss 
  • Mehrere Gruppenräume oder ein großer Raum mit thematisch abgetrennten Bereichen („runde Tische“) für die Kleingruppenarbeit 

Material & Technik: 

  • Tablets, Laptops oder PCs zur digitalen Dokumentation 
  • Beamer & Präsentationstechnik 
  • Mikrofone bei größeren Gruppen 
  • Abstimmungssysteme (z. B. per App oder Voting-Gerät) 

Ablauf

1. Themenfindung  
  •  Das Thema wird vorab durch die Organisation bestimmt oder im offenen Verfahren gemeinsam mit den Beschäftigten ausgewählt. 
  • Geeignet für Fragestellungen mit hoher Relevanz für die Belegschaft. 
  • Zielgruppe sind alle Beschäftigten eines Unternehmens – je nach Format können beliebig viele Personen teilnehmen. 
2. Eröffnung und Einführung 
  •  Begrüßung und Einführung in Ziele, Ablauf und Rollen.  
  • Vorstellung der Diskussionsthemen und Zuteilung zu Thementischen oder Kleingruppen. 
3. Gruppenarbeit
  • Die Teilnehmenden diskutieren ihre Themen in moderierten Kleingruppen.  
  • Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und erste Lösungsideen zu entwickeln.  
  • Moderator*innen sorgen für Ausgewogenheit und Struktur im Gespräch. 
4. Digitale Ergebnissicherung  
  • Die Ergebnisse der Kleingruppen werden mithilfe digitaler Methoden (z.B. via Tablet und Laptop) erfasst und an ein Redaktionsteam weitergeleitet.  
  • Das Redaktionsteam bündelt die Gruppenbeiträge und bereitet sie thematisch sortiert auf.  
  • Aus den Diskussionsinhalten werden konkrete Vorschläge oder Thesen formuliert. 
 5. Abstimmungsphase 
  • Die in den Kleingruppen diskutierten und durch das Redaktionsteam formulierten Vorschläge und Thesen werden zur Abstimmung gestellt.  
  • Alle Teilnehmenden können mit einem Abstimmungsgerät oder digitaler App über die Vorschläge abstimmen. 
  • Es sind auch mehrstufige Abstimmungen möglich, um Zwischenergebnisse weiterzuentwickeln. So entsteht ein breit akzeptiertes Meinungsbild.  
  • Auch ist es möglich, bereits in den Gruppendiskussionen interne Abstimmungen durchzuführen.  
6. Ergebnisdokumentation und Weitergabe 
  • Die finalen Ergebnisse werden in einem gemeinsamen Arbeitspapier zusammengefasst und an die Entscheidungstragenden übergeben. 
  • Der Report dokumentiert sowohl Inhalte als auch Beteiligungsprozesse.  

Tipps und Stolperfallen

  • Eine erfahrene Moderation ist essenziell, um Diskussionen produktiv und inklusiv zu gestalten. 
  • Hybride Settings ermöglichen breite Beteiligung – auch über Standorte oder verschiedene Abteilungen hinweg. 
  • Die Denkfabrik ist eine umfassende Beteiligungsmethode und es ist wichtig, genügend Zeit für die redaktionelle Verarbeitung der Vorschläge einzuplanen – besonders bei großen Gruppen. 
  • Ergebnisse müssen sichtbar weiterverarbeitet werden, um Vertrauen und Motivation der Beschäftigten zu erhalten. 

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Aufgaben
Planen und entwickeln
Kontext
Betriebsrat
Vertrauensleute
Arbeitgeber
Schwierigkeit
hoch
Gruppengröße
groß
Kanal
hybrid
Dauer
Eintägig
Mehrere Tage

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.
Ähnlich: Belegschafts-Gutachten
Ein Belegschaftsgutachten ist ein längerer, intensiver Prozess. Er geht auf die bereits in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelten „Planungszellen“ zurück.