Paradoxe Intervention

Die Paradoxe Intervention ist eine kreative und konfrontative Fragetechnik, die ihren Ursprung in der Psychotherapie hat. Im Kontext von Gruppenprozessen, Projektarbeit oder Mediation kann sie helfen, Probleme sichtbar zu machen, Blockaden zu lösen und Handlungsoptionen zu entwickeln. Die Teilnehmenden sollen sich hierbei das denkbar schlechteste Resultat eines Arbeitsprozesses vorstellen oder fragen, was sie tun könnten, um ein bestehendes Problem zu verschlimmern. Durch die negativen Beschreibungen können zukünftige Situationen oder bestehende Konflikte konkretisiert und dadurch Lösungswege gefunden werden. 

Sinn und Zweck

  • Kollektives Problembewusstsein schärfen: Indem bewusst negative Zukunftsszenarien durchgespielt werden, entsteht ein gemeinsames Verständnis dafür, was konkret vermieden werden soll. 
  • Kreativität und Offenheit fördern: Durch das Zulassen auch absurder oder überzeichneter Gedanken wird ein spielerischer Zugang zu ernsten Themen ermöglicht. 
  • Widerstände produktiv machen: Die Methode nutzt bewusst negative Haltungen, wie Frust oder Ängste, und transformiert sie in konstruktive  Lösungsansätze. 

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum:  
  • Moderationsraum mit ausreichend Platz für alle Beteiligten und die Möglichkeit, die Sitzordnung flexibel zu verändern 
Material: 
  • Flipchart, Poster o. ä. zur Dokumentation der Ergebnisse 
  • Marker und Stifte in verschiedenen Farben  
  • Optional: Klebezettel oder Klebepunkte für Abstimmungen 

Ablauf

1. Negativvision erstellen
  • Zu Beginn entwirft die Gruppe gemeinsam das denkbar schlechteste Ergebnis des aktuellen Projekts, Prozesses oder Konflikts.
  • Diese Worst-Case.-Szenario darf übertreiben, dramatisieren und bestehende Regeln ignorieren – das Ziel ist maximale Konfrontation mit dem Scheitern.
2. Rückwärtsplanung (Vom Scheitern zurück in die Gegenwart)
  • Ausgehend vom Worst-Case wird in Etappen zurück in die Gegenwart gedacht: „Was muss passiert sein, damit es so schlimm kommen konnte?“
  • Für jeden Teilschritt wird ein konkreter Vorläufer identifiziert. So entsteht eine Chronologie des Scheiterns, die Ursachen, Dynamiken und Versäumnisse sichtbar macht.
3. Analyse der Rahmenbedingungen
  • Für jeden dieser Schritte werden nun die Rahmenbedingungen, Strukturen, Denkweisen oder Verhaltensmuster identifiziert, die das negative Szenario möglich gemacht haben.
  • Mögliche Leitfragen dafür sind:
    • Welche Entscheidungen wurden systematisch vermieden?
    • Welche externen Einflüsse wurden falsch eingeschätzt oder vermieden?
    • Wie wurde miteinander kommuniziert oder gerade nicht?
4. Ableiten eines Aktionsplans
  • Aus der Analyse wird ein präventiver Aktionsplan entwickelt:
    • Was sollte vermieden werden?
    • Welche Warnsignale sind frühzeitig erkennbar?
    • Welche Schutzmaßnahmen sind sinnvoll?
  • Aus diesen Überlegungen lassen sich konkrete, konstruktive Handlungsschritte für die Gegenwart und Zukunft ableiten.

 

Tipps und Stolperfallen

  • Gerade absurde oder überzeichnete Beiträge können hilfreich sein, um Blockaden zu lösen – sie sollten jedoch respektvoll bleiben. 
  • Die Methode ist nur dann wirksam, wenn am Ende eine konstruktive Umkehr gelingt. Die Moderation sollte diesen Übergang gezielt steuern. 

Einloggen, um diese Methode als Favorit zu speichern.

Einloggen, um diese Methode als PDF zu exportieren.

Aufgaben
Analysieren
Planen und entwickeln
Konflikte bearbeiten
Kontext
Betriebsrat
Vertrauensleute
Arbeitgeber
Tarifverhandlungen
Krisen in Unternehmen
Schwierigkeit
mittel
Gruppengröße
mittel
Kanal
analog
digital
hybrid
Dauer
Eintägig
Mehrere Tage

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.
Ähnlich: Partizipatives Backcasting
Es geht um eine gemeinsame Vision. Dabei wird anders als bei vielen anderen Methoden nicht von der Gegenwart in die Zukunft gedacht, sondern ausgehend von der Idee einer wünschenswerten Zukunft rückwärts bis in die Gegenwart geplant.
Ähnlich: Kopfstand
Die Methode „Kopfstand“ versucht mit Hilfe des Gegensatzprinzips, die Lösung zu einem Problem zu finden. Die ursprüngliche Fragestellung wird auf den Kopf gestellt und es findet ein Perspektivwechsel statt.