Deliberative Mapping

Das Deliberative Mapping ist ein Verfahren zur Einbindung von Betroffenen und Expert*innen in einem kontroversen Diskursprozess zu einem bestimmten Thema. Mit einer speziellen Panelstruktur soll ein dialogischer Austausch ermöglicht werden, ohne dass der Meinungsbildungsprozess von Fachleuten dominiert wird. Am Ende des Verfahrens steht ein priorisiertes Set von Handlungsalternativen.

Sinn und Zweck

  • Demokratische Meinungsbildung: Deliberatives Mapping fördert einen inklusiven Diskurs zwischen verschiedenen Gruppen/Positionen.  
  • Wissensvielfalt integrieren: Fachliches Wissen, individuelle Erfahrungen und Werte fließen in die Debatte ein. Dadurch entstehen differenzierte, realitätsnahe Lösungsansätze.  
  • Handlungsalternativen fundiert priorisieren: Am Ende des Verfahrens steht eine gemeinsam erarbeitete und nachvollziehbare Rangfolge von Handlungsoptionen.  

Ressourcen (Raum, Material u.a.)

Raum: 
  • Ein Raum mit genug Platz für Gruppenarbeit und Plenumsdiskussionen 
  • Separate Räume oder Rückzugsorte für Kleingruppenarbeit sind ideal.  
 Material: 
  • Moderationsmaterialien (Karten, Stifte, Flipcharts) 
  • Visualisierungstools (z. B. digitale Whiteboards oder Pinnwände) 
  • Dokumentationsvorlagen für Kriterien, Bewertungen und Diskussionsergebnisse.

Ablauf

Der Ablauf kann ich sechs Sitzungen unterteilt werden:

1. Einstieg
  • Die Teilnehmenden werden in homogene Arbeitsgruppen (Panels) aufgeteilt, innerhalb derer sie sich zunächst über ihre persönliche Motivation zur Teilnahme am Verfahren austauschen.
  • Die Moderation unterstützt koordinierend den Dialog.
  • Anschließend werden die Teilnehmenden in die Konfliktstruktur des Themas und seine gesellschaftlichen Auswirkungen eingeführt.
2. Wissensaustausch
  • Es folgen fachliche Inputs durch Interviews, Panels oder Workshops mit Expert*innen.
  • Die präsentierten Inhalte werden diskutiert und durch die Perspektiven anderer Teilnehmenden ergänzt.
  • Zur Vertiefung wird sich in Tandems über die vorgestellten Alternativen ausgetauscht.
  • Zum Abschluss der Sitzung kommen die Teilnehmenden in einem Gruppengespräch zum weiteren Meinungsaustausch zusammen.
3. Evaluationskriterien erarbeiten
  • Die Beteiligten erarbeiten gemeinsam Evaluationskriterien zur Bewertung der Lösungsansätze.
  • Anschließend wird mit allen Anwesenden über die Aufnahme der vorgeschlagenen Kriterien in einen Evaluationskatalog diskutiert.
4. Erste Bewertung
  • Anhand des Evaluationskataloges werden nun die einzelnen Vorschläge zur Themenbearbeitung eingeschätzt. Die Teilnehmenden können individuell vorläufige Bewertungen zu den einzelnen Handlungsalternativen abgeben, die in der Gruppe anschließend diskutiert werden. In diesem Schritt können mögliche Unsicherheiten in Bezug auf die Kriterien geklärt werden.
  • Die im Konsens ausgewählten Handlungsoptionen werden in dem anschließenden Workshop den Fachleuten vorgestellt und mit diesen erörtert.
  • Ziel ist es, das gegenseitige Verständnis für die unterschiedlichen Perspektiven zu fördern. Anschließend stehen die Fachexpert*innen in einem informellen Rahmen für einen weiteren Austausch zur Verfügung.
5. Überarbeitung & Ranking
  • Die Beteiligten nutzen die Anregungen und Änderungsvorschläge der Expert*innen zur Verbesserung der erarbeiteten Lösungsansätze.
  • Anschließend bewerten sie die unterschiedlichen Verfahrensalternativen mittels einer Punkteskala. Auf diese Weise entsteht letztlich ein priorisiertes Ranking aller Vorschläge.
6. Abschluss
  • Alle gesammelten Informationen, Lösungsvorschläge und die finale Rangfolge der Alternativen werden in einem Abschlussbericht zusammengefasst und an die Entscheidungsträger*innen übergeben.

Tipps und Stolperfallen

  • Es sollte von Anfang an transparent gemacht werden, was mit den Ergebnissen passiert und wie stark die Beiträge später berücksichtigt werden, um Frustration zu vermeiden. 
  • Stelle sicher, dass die Teilnehmenden nicht fachlich überfordert werden und die Inputs der Expert*innen verständlich aufbereitet sind.   

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Aufgaben
Analysieren
Konflikte bearbeiten
Kontext
Betriebsrat
Arbeitgeber
Krisen in Unternehmen
Schwierigkeit
mittel
Gruppengröße
mittel
groß
Kanal
analog
Dauer
Mehrere Tage

Legende

  • Icebreaker: Kurze Formate, die zu Beginn von Veranstaltungen das Klima auflockern und für eine positive Stimmung sorgen. Sie können auch nach Pausen (Warmup/Energizer) eingesetzt werden.
  • Informieren: Zusammenstellung bzw. Vermittlung von Informationen, oft als Grundlage für folgende Beteiligung.
  • Aktivieren: Gewinnung von Beteiligten bzw. Motivation für ein Thema bzw. Anliegen.
  • Diskussion starten: Einstieg in  dialogische Prozesse mit dem Ziel, alle Anwesenden einzubeziehen.
  • Meinungen und Reaktionen: Formate, die möglichst viele Beteiligte dazu motivieren, ihre Sichtweise mit der Gruppe zu teilen.
  • Analysieren: Gemeinsames Verständnis für eine Situation, einen Konflikt oder eine Herausforderung entwickeln.
  • Planen und entwickeln: Formate, die die Erarbeitung gemeinsamer Strategien ermöglichen.
  • Entscheiden: Formate, die Abstimmungen oder Meinungsbilder ermöglichen.
  • Vernetzen: Formate, die Beteiligte miteinander in den aktiven Austausch bringen.
  • Längerfristig zusammenarbeiten: Formate mit dem Ziel, auch nach dem unmittelbaren Austausch gemeinsam Ziele zu realisieren.
  • Konflikte bearbeiten: Formate, die einen wertschätzenden Austausch zu Konfliktthemen ermöglichen.
  • Betriebserschließung: Formate, die sich in der Aktivierung von Beschäftigten in noch nicht erschlossenen Betrieben einsetzen lassen.
  • Betriebsrat: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Betriebsrat.
  • Vertrauensleute: Formate zum Einsatz im bzw. durch den Vertrauenskörper.
  • Arbeitgeber: Formate, die Arbeitgeber zur Beteiligung der Belegschaft nutzen können.
  • Mitgliederbeteiligung: Formate zur Beteiligung von Mitgliedern der Gewerkschaft außerhalb von Betrieben.
  • Mitgliederwerbung: Formate, die im Kontext von Werbemaßnahmen hilfreich sein können.
  • Tarifverhandlungen: Formate zur Vorbereitung oder Begleitung von Tarifverhandlungen in der Fläche oder im Betrieb.
  • Krisen in Unternehmen: Formate zur Begleitung von krisenbedingten Verhandlungen in Unternehmen durch Betriebsrat oder Gewerkschaft.
  • gering: Das Format kann von Menschen mit etwas Moderationserfahrung aber ohne spezifische Vorkenntnisse umgesetzt werden.
  • mittel: Die Moderation sollte über einschlägige Erfahrung verfügen bzw sich anhand der Tipps sorgfältig vorbereiten.
  • hoch: Praktische Erfahrung mit diesem Format ist erforderlich, evtl. ist eine externe Moderation zu prüfen.
  • Analog: Formate, die gemeinsam in Präsenz an einem Ort durchgeführt werden.
  • Hybrid: Formate, die auch hybrid möglich sind, bei denen also ein Teil der Mitwirkenden vor Ort ist, ein anderer Teil digital zugeschaltet werden kann.
  • Digital: Formate für den digitalen Raum (z.B. in Online-Foren oder Video-Calls.
  • klein: Gruppen von unter 8 Personen.
  • mittel: Typische Gruppengrößen zwischen ca. 8 und 40 Personen.
  • groß: Großgruppen über 40 Personen.
  • Tool: Kleine Tools, um bestimmte Aufgaben (Gruppeneinteilung, Meinungsbilder, etc.) in einem Prozess zu bewältigen. Sie dauern in der Regel nur wenige Minuten.
  • Unter 2 Stunden: Kürzere Formate, die im Normalfall in eine typische Veranstaltung integriert werden können.
  • Halber Tag: Formate, die in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden benötigen.
  • Eintägig: Größere Formate, die zwischen 4 und 8 Stunden Zeit benötigen und als eigenständige Tagesveranstaltung konzipiert sind.
  • Mehrere Tage: Komplette Prozess-Formate, die aus mehreren Bausteinen bestehen, die oftmals auch mit einem bestimmten zeitlichen Abstand aufeinander folgen sollen.
Ähnlich: Dragon Dreaming
Dragon Dreaming ist eine Methode, mit der Gruppen gemeinsam Projekte planen und umsetzen können. Sie hilft dabei, aus den Ideen und Träumen einzelner Personen ein gemeinsames Ziel zu machen.